Montag, 13. November 2017

You'll never work alone

Evolution... Karikatur: Karlheinz Stannies

Es lief wie geschmiert am Stammtisch. Ölkännchen kreisten. Seit wir wegen Kahlschlag und Überlastung fast gar nicht mehr aus den Redaktionen heraus kamen, schickten wir wenigstens unsere Roboter abends zum Kollegentreff. Die hatten ihren Spaß. „Sie dort, wir hier – so haben sich die Menschen den Roboterjournalismus bestimmt nicht vorgestellt“, schnarrte Hans. Alle kicherten, so gut es metallisch ging.

„Smalltalk am Stammtisch kriegen wir auch noch hin“, surrte die kantenreiche Sabine. „Ein Klacks“, nickte Hartmut, der sonst seitenweise Kurzberichte und Tabellen für den Lokalsport herunter spulte. Ohne Tippfehler, keine Formulierung doppelt, rund um die Uhr. „Das schaffen gestresste Journalisten gar nicht mehr hin“, brummelte Patrick. „Wir ermöglichen ihnen den Freiraum für große Recherchen. Deshalb sind wir irgendwie nicht mehr wegzudenken.“

Leise scheppernd zwängte sich Petra in die Runde, flötete öffentlich-rechtlich: „Macht mir mal ein Steckerchen frei auf der Stromleiste!“ Klar, surrten alle, „für die gebührenfinanzierte Staatspresse doch immer.“ Petra rümpfte den Nasen-Sensor: „Pah, die AfD. Die haben wir viel zu sehr hochgespielt. Jeder Pups ein Aufreger, statt 'ne Meldung. Roboter hätten da weniger gemacht.“

Nix AfD, der Döpfner hatte Staatspresse gesagt. Sie staunte: „Der Präsident von der Gutsherrenpresse – die mit dem Stellen- und Tarifschwund?“ Jepp. Und dann hat der Döpfner auch noch gejammert, Politiker würden ARD & Co nicht kritisieren, weil sie auf deren Wohlwollen angewiesen sind. „Der schiere Neid“, keckerte Sabine. „Die Verleger sind doch die ungekrönten Lobby-Könige. Siehe: Leistungsschutz. Inzwischen gehen sie schon den nächsten Schritt: selbst rein in die Regierung.“

Es war spät geworden. „Eure Chefs kommen ja wohl nicht mehr. Ich mache dicht“, sagte der Wirt. Er legte den Stromschalter um. Die Roboter sanken zusammen. Der Wirt ging heim. Als alles dunkel und ruhig war in der Kneipe, glommen kleine rote Lichterchen auf, wie Augen, schoben sich dünne Sendeantennen arbeitsam aus den Gehäusen. Und aus winzigen Lautsprechern erklang dabei: You'll never work alone.


Mittwoch, 30. August 2017

Prädestiniert...

Wir bemerkten Hans erst, als er sich plötzlich an unseren Stammtisch quetschte und hinter einem Bier versteckte. Er war irgendwie aus Richtung Notausgang, die Deckung der Garderobe nutzend, zu uns geschlichen. „Nicht verraten“, zischte er, schon etwas angeheitert, „bin gar nicht da“. Ärger zu Hause? Schon nach der vierten Überstunde aus der ausgedünnten Redaktion abgehauen?

„Nein“, flüsterte er. „Der Trump sucht doch wieder einen Pressesprecher.“ Äh, und? Hans beugte sich vor: „Ich habe doch schon mal gelogen. Ich bin also für diesen Job prädestiniert.“ Gundi schaute fragend, Detlef raunte ihr zu: „Er hat vor vielen Jahren als Volontär mal einfach veröffentlicht, was der Bürgermeister behauptete. Dass dessen Amtseinführung die größte und schönste gewesen sei.“ Wir grinsten. Okay, das könnte diesem US-Präsidenten schon gefallen.

„Trump hält doch nur zwei Arten von Bewerbern für qualifiziert – Militär oder Millionär“, versuchte Petra zu beruhigen. Hans blieb skeptisch: „Die hat er doch blitzschnell durch, das geht bei dem ja Rucki-Scaramucci. Ich spüre es, bald erreicht mich der Ruf.“ Wir spendierten dem dünnhäutigen Kollegen noch ein Bier. Er stöhnte: „Tja, nicht lügen, nicht fälschen. Dann lebt man ruhiger.“

Gärtner-Lehrgang, Schnelldurchlauf... (Karikatur: Karlheinz Stannies)
Da waren wir uns einig: Qualifikation im Job – die brauchen Redaktionen wie Einzelkämpfer mehr denn je zum Überleben. Kompetenz schafft Vertrauen. „Das gilt auch für die Politik,“ sagte Andreas. Er freute sich über die neue schwarz-gelbe Landesregierung. „Alles Experten“, lobte er. „Jau, alle prädestiniert“, giggelte Heike, „die Heimatministerin kommt eindeutig aus NRW und die Landwirtschaftsministern praktisch direkt aus dem Schweinestall.“

„Hört doch auf, ihr Ignoranten“, brummte Andreas, „immerhin haben wir jetzt in NRW einen Medienminister, der unsere Branche aus dem Effeff kennt.“ Das konnten wir nicht abstreiten. Der Mann ist Anteilseigner von Funke Medien; die haben ihre Finger in allen Medienbereichen, von Internet über Lokalfunk bis Klatschblatt.
Wir zählten auf, was uns zu Funke spontan einfiel: Hunderte Journalisten gefeuert, Dutzende Redaktionen geschlossen, eine Zombie-Zeitung geschaffen, Zeitungen und Zeitschriften gekauft, Redaktionen zusammengelegt und auseinander gerissen, Webportale durcheinander gewürfelt, bei Anzeigenblättern gekürzt, Tarifabbau und Honorardumping wie bei fast allen Medienhäusern.

„So einen erfahrenen Medienminister hatten wir noch nie“, jubelte Barbara, voller Sarkasmus. „Ich glaube ja“, raunte Birgit, die Theorien liebte bis zum Gegenbeweis, „dass die Berufung eher aus Mitleid geschah. Die Verleger haben doch immer so gejammert.“ Der Gedanke wurde sofort weitergesponnen: „Dann kriegen die bestimmt noch mehr Polit-Jobs.“ Uns fielen sofort Kandidaten ein: DuMont wird Staatssekretär für Tarifkämpfe und Lokal-Fusionen, Lensing-Wolff Kurator für bedrohte Mantelredaktionen, Bauer Sonderbeauftragter für redaktionelle Mini-GmbHs...

„Pah“, grunzte Andreas. Ihm wurde es zu albern. „Dass der Geschäftsführer der Zeitungsverleger Verkehrsminister wurde, spricht ja nicht gerade gegen Birgits Theorie“, grinste Inge ihn an. „Der stand wohl mal im Stau“, warf Heike einen frechen Qualifikations-Schnellcheck ein. Als wir ausgelacht hatten, holte Inge uns wieder auf seriösen Boden: „Mal im Ernst: Medienmacht, Parteiverbindungen und knallhartes Management – damit war der Essener prädestiniert als Medienminister“.

Und der Anteilseigner eines großen Medienhauses soll jetzt für die Sicherung von Pressefreiheit und Meinungsvielfalt sorgen, vor allem im Lokalen, soll Journalisten fördern, das Landesmediengesetz und die Radiolandschaft reformieren? Die Frage stand im Raum, wir sahen zweifelnd Interessenkonflikte ohne Ende. Barbara winkte ab: „Wird nicht so schlimm. Er will sich ja jedes Mal heraushalten, wenn sein eigenes Haus betroffen ist.“ Wir prusteten los: „Na, da bleibt ja nicht mehr viel zu tun.“

 

Freitag, 18. August 2017

Der Medienminister empfiehlt (anscheinend): Zerschlagt die Redaktionen!

Fotojournalisten sind die Aushängeschilder von Zeitungen und Redaktionen. Sie tauchen überall auf, sind gern gesehen, erhalten so manchen Tipp. Dem Leser näher ist niemand. Deshalb sollten Medienhäuser ihre Fotografen lieben und fördern. Seit Jahren ist allerdings in der Branche das Gegenteil der Fall. Billige Bilder- und oft genug auch Video-Lieferanten sollen sie aus der Sicht von Medienmanagern sein, überall im Verbreitungsgebiet auf Abruf einsetzbar - egal, ob sie dann dort die Verhältnisse vor Ort oder den Bürgermeister kennen oder nicht. Und es gibt seit langem einen unheilvollen Trend, Foto-Redakteure (die sich fachmännisch um eine gelungene Optik kümmern) abzuschaffen und auf freie "Knipser" zu setzen, deren Honorare nach Belieben runterzuschrauben sind.

Gärtner-Lehrgang, Schnelldurchlauf... (Karikatur: Karlheinz Stannies)
In Essen setzt die Funke-Mediengruppe - das Haus des neuen NRW-Medienministers Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) - gerade 24 Fotograf(inn)en auf die Straße, meldet der DJV hier - sie könnten sich aber für eine Stelle in einer neuen Agentur-GmbH bewerben, die zum Jahresbeginn gegründet werden soll. Der bisherige "Foto-Pool", der die Kolleginnen und Kollegen bereits von ihren Redaktionen (und einigen tariflichen Errungenschaften) trennte und auslagerte, wird aufgelöst.

Der neue DJV-Landesgeschäftsführer Volkmar Kah schimpft: "Das hat nichts mit Neuausrichtung oder Qualitätssteigerung zu tun. Das ist fire and hire und der untaugliche Versuch, Kolleginnen und Kollegen unter Druck zu setzen. So will man sich von unliebsamen, teuren Mitarbeitern trennen“. Der DJV fordert das Haus des Medienministers auf, einen ordentlichen Betriebsübergang durchzuführen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Eine Einschätzung von verdi gibt's hier.

Der unseligerTrend in der Medienbranche scheint kaum aufzuhalten: Zerschlagt die Redaktionen, splittet sie auf in neue kleinere Einheiten, billiger und natürlich ohne Tarif (sowie gerne dann auch mit verkleinerten oder gar keinen Betriebsräten). Dass man so Qualität und Vielfalt zerstört, ist modernen Medienmanagern egal. Hauptsache: Rendite (für die Besitzer).

Auch das Haus des neuen Medienministers, der immer noch 17 Prozent der Funke-Mediengruppe besitzt (Wert: ca. 250 Millionen Euro) hat immer wieder Redaktionen zerschlagen. Wird dies nun zum Problem für Stephan Holthoff-Pförtner? Die wesentlichen Aufgaben eines Medienministers bestehen ja eher in der Sicherung und Förderung von Qualität, Vielfalt, Pressefreiheit. Viele sehen jede Menge Interessenskonflikte, nicht nur der DJV NRW. In den Medien ist Skepsis nachzulesen . vom Tagesspiegel bis zur Neuen Westfälischen oder zum Deutschlandfunk. Selbst die Rheinische Pest postete ...ähm... die Rheinische Post pestete gegen den Medienunternehmer als Medienminister.

Zerschlagung der Redaktion, Aufsplitterung in Mini-GmbHs - das macht  übrigens gerade auch der Recklinghäuser Verleger Kurt Bauer, siehe hier. Mit 40 Prozent beteiligt am Medienhaus ist der Dortmunder Lambert Lensing-Wolff - der gerade die Zentralredaktion der Ruhr Nachrichten auflöst, siehe hier.

Die Medienlandschaft in NRW könnte wirklich einen guten Medienminister brauchen. Dringend.

Dienstag, 1. August 2017

Supercup... den wollen beide

So richtig rund lief es in der Vorbereitung und in den Testspielen bei beiden noch nicht. Am Samstag (5.8.) wird es ernst für Pokalsieger Borussia und Meister Bayern: Supercup im Dortmunder Tempel! Ein erstes Pflichtspiel, und diese Trophäe wollen beide. Unbedingt. Deshalb wird's ein heißer Tanz zwischen Ancelottis Nix-Triple-Superstar-Truppe und dem Team von BVB-Neuling Bosz, da bin ich sicher. Ob es ein gutes Spiel wird, zu Saisonbeginn? Keine Ahnung, eher nicht. Aber ich erwarte (erhoffe!) ein Spektakel, das den Heißhunger auf Bundesliga schürt. Fußball, der Spaß macht - den sind wir von Borussia ja gewöhnt.

Karikatur: Heiko Sakurai - proudly presented

Sonntag, 23. Juli 2017

Die Gesellschaft braucht Wächter!

Der Kollege Peter Welchering arbeitet überwiegend für Radio und Fernsehen, oft aus dem eigenen Studio, lehrt Journalismus und ist im Landesvorstand des DJV Baden-Württemberg. In seinem Blog welchering.de schrieb er jetzt seinen Frust über "affige Modetrends in Richtung brave new journalism" - also über all das, was uns beinahe täglich als Heilsbringer gepriesen wird - von der Seele. Dabei retten uns doch vor allem die alten Tugenden, meint er. Proudly presented:

Von PETER WELCHERING

Es wurde mal wieder die Erlösung für Journalisten verkauft, und die liegt angeblich in einem "konstruktiven Journalismus". Wenn wir nicht endlich "good news" bringen, würde der Journalismus nicht überleben, so wird argumentiert.

Der kritische Journalismus, so wird behauptet, sei ein aussterbendes Gewerbe. Und es gibt noch mehr Vorschläge, wie und wohin sich Journalismus hierzulande entwickeln müsse. Gefordert wird, die journalistische Tätigkeit als gemeinnützige im steuerrechtlichen Sinne anzuerkennen.

Die Diskussionen sind nicht neu, aber nach wie vor furchtbar. Neue Finanzierungsmodelle, neue Formen der Zugangsbeschränkung in diesen einst freiesten aller Berufe, von neuen Journalismen wird geraunt, die die alte, verstaubte, aus den Zeiten des Print und des Rundfunks stammende Profession ablösen wird. Die Zukunft des Journalismus liegt dann wahlweise im Drohnen-Journalismus, im Daten-Journalismus oder im Roboter-Journalismus.

Neue Studiengänge entstehen, die die Zukunft des Journalismus absichern sollen, aber eigentlich nur die Segmentierungstheorie aus den 1980er-Jahren auf die journalistische Ausbildung anwenden, derzufolge damals aus Musikwissenschaft das Spezialfach mittelalterliches Flötenspiel zu werden hatte.

Zukunftspapiere entstehen zu Hauf. Man kann sie gar nicht alle lesen, und es lohnt zum größten Teil auch nicht. Die einen schwärmen darin, dass der Journalismus der Zukunft selbstbestimmte Arbeit bringen werde, die anderen sehen das Heil des Gewerbes im Journalismus Marke "Wodka Gortabtschow", und Dritte wiederum glauben, dass nur noch Stiftungen und Crowdfunding das so ersehnte Heil in dieser heillosen journalistischen Gegenwart bringen. Es wird darum gestritten, ob Storytelling oder Corporate Publishing mit dem Sonderbeschäftigungsbereich Native Advertising die besseren Jobs im Journalismus der Zukunft sichern, und debattiert wird, ob nicht doch Content Delivery die hauptsächliche Ausübungsform in diesem Gewerbe sein wird.

Vergessen wird in allen diesen Diskussionen vollkommen, dass der Journalismus nur dann eine Zukunft hat, wenn wir Journalisten unsere Arbeit handwerklich sauber erledigen, mit der diese Gesellschaft uns beauftragt hat, und diese Aufgabe heißt: Die journalistsiche Wächterfunktion wahrnehmen!

Diese Aufgabe hat viele Aspekte, stellt hohe Herausforderungen und setzt eine ganze Menge methodisches Wissen, aber auch enorm viel Leidenschaft für die Wahrheit, für das System der Checks & Balances, auf dem rechtsstaatliche Verfasstheit beruht, und für diese demokratisch organisierte Gesellschaft voraus. Das ist zweifellos unangenehmer, als sein Heil in neuen Bindestrich-Journalismen à la mittelalterlichem Flötenspiel zu suchen, denn es geht einher mit vielen Anfeindungen, extrem viel Fleißarbeit und hartem Ringen um die richtigen Worte. Die Zukunft des Journalismus liegt ganz einfach darin, dass Journalisten endlich wieder die ihnen übertragene Wächterfunktion wahrnehmen. So einfach ist das!

Das Problem dabei: Viel zu wenige Journalisten tun das noch. Sie haben die Wächterfunktion aufgegeben. Denn wer es ernst meint mit der journalistischen Wächterfunktion, der eckt an, bekommt nicht selten Schwierigkeiten, wird bedroht. Wer statt dessen lieber fürs Native Advertising schreibt oder sein Geld damit verdient, dass er Verlage und Sendeanstalten als Digital-Prophet in Grund und Boden berät, verdient mehr Geld und hat ein besseres Leben.

Nur eine Zukunft hat er mit dieser kurzweiligen Publizistik-Zauberei nicht. Deshalb sollten wir Journalisten endlich damit aufhören, dicke und weitgehend inhaltsleere Papiere über die Zukunft des Journalismus zu produzieren und uns statt dessen wieder aktiv um unsere Wächterrolle kümmern. Das braucht die Gesellschaft, und dafür ist sie bereit, zu zahlen, und eben nicht für irgendeinen affigen Modetrend in Richtung „brave new journalism“.


Sonntag, 2. Juli 2017

Kritisierst Du noch...

Die Suche nach der Nachricht im Heuhaufen... Karikatur: Karlheinz Stannies
Es war eine unschuldige Frage. Sag mal, Wirt, wie spät ist es eigentlich? Gleich halb neun, informierte er den Stammtisch. Da brach es aus Manni heraus: Was heißt hier gleich? Sind es zehn Minuten oder nur vier? Was hast Du eigentlich für eine Uhr? Brauchst Du eine Brille? Die Fragen prasselten. Wir versuchten, Manni zu beruhigen. Aber der forderte unbeirrt weiter Auskunft: Warum weigerst Du Dich, die genaue Zeit zu sagen? Was steckt dahinter? Bist Du auf mehr Umsatz scharf? Willst Du den Stammtisch belügen?

Der Wirt schnappte nach Luft. Wir konnten Manni gerade noch daran hindern, ein Mikro aufzubauen und sein Aufnahmegerät zu starten. Typischer Anfall von criticaster obsessionis. Der Zwang, wie ein Journalist zu handeln. Also: investigativ, total misstrauisch und superkritisch. Wir kannten das schon. Das geht irgendwann in Fleisch und Blut über, man kann gar nicht mehr anders. Auch im Privatleben.

„Stimmt“, gab Heike zu. „Kürzlich habe ich meinen Mann einer knallharten Befragung unterzogen.“ Lippenstift am Kragen? „Nein“, grinste sie, „der Müll war noch nicht raus.“ Und, hat es was gebracht? „Klar“, sagte Heike, „er hat auch noch das nicht gemachte Bett gestanden.“ Gratulation zum Coup, Kollegin. „Na ja, danach gab's für mich zwei Wochen keinen Gute-Nacht-Kuss mehr.“

Tja, wer aufdeckt, hat nicht nur Freunde. Wir spürten aber auch: Der Umgang wird immer rauer, auch untereinander. Matthes dozierte: „Ich habe das Gefühl, wir decken nicht mehr nur auf, wir müssen auch gleich zur Strecke bringen.“ Es trifft längst nicht mehr nur Politiker, Staatsdiener oder Konzerne, denen man als Wächter unbedingt auf die Finger schauen muss.

„Sind wir auf dem Weg zum Kotzbrocken-Journalismus – kälter, kleinlicher, gemeiner?“ fragte Sabine. „Manchmal weiß ich nämlich nicht mehr so genau: Kritisierst Du noch – oder hetzt Du schon?“ Wir redeten noch lange über unsere Rolle zwischen Aufklärer und Ankläger.

Der Wirt verteilte Bier-Nachschub, Mannis Glas mussten wir zu ihm hinschieben. Er zuckte ungerührt mit den Schultern: „Ich bin halt kritisch. Ich hinterfrage eben alles“. Nur nicht Dich selbst, lag uns auf der Zunge. Aber wir sagten nichts. Unter Freunden, da fällt man schon mal aus der Rolle.


Sonntag, 25. Juni 2017

Martin, der Erlöser

Die SPD setzt voll auf Martin Schulz. Der auch in Umfragen ablesbare Hype nach seiner Kandidatenkür, als er der Heilsbringer schien, ist zwar abgeflaut. Aber die Sozis sind wohl überzeugt, ihn und sich wieder prozentual nach oben zu wählkämpfen. Ist ja noch lang hin bis zur Bundestagswahl. Kann Schulz bis dahin über Wasser laufen? Für Super-Karikaturisten wie Thomas Plaßmann (Essen) und Heiko Sakurai (Köln) ist "Martin, der Erlöser" natürlich auch ein Segen. Was den Zeichenstift-Kommentatoren so einfällt, begeistert mich immer wieder. Sie auch? Hier zwei Beweise, warum ich die "Künstler unter den Journalisten" so gut finde - proudly presented:
Karikatur: Thomas Plaßmann

Karikatur: Heiko Sakurai

Freitag, 16. Juni 2017

Journalism!




Olli Dittrich und Jan Böhmermann würdigen Journalisten. Eine Ode an den Journalismus? Oder eher ein wenig Veralberung?