Man wartete ab, bis der Champagner serviert war. In der blickgeschützten Nische, in diesem Nobellokal. Als der Kellner gegangen war, beugten sich die Verleger vor. "Diesmal fordern sie 6 Prozent mehr Gehalt und Honorar, die Journalisten. Unglaublich frech! Die wollen uns an den Bettelstab bringen."
"Aber was machen wir dagegen? Bei der letzten Tarifrunde, das war ja ein Flop für uns!" Mit dem Slogan "Journalismus ist mehr wert" vom DJV hatten die Gewerkschaften sie damals überrumpelt. Der Spruch kam bei den Redakteuren und bei den Lesern gut an. Plötzlich hielten alle irgendwie zusammen. Der Billig-Tarif für künftige Journalisten-Generationen war nicht durchzusetzen.
Die teuren Anzüge rückten noch enger zusammen. Ihr Sprecher wisperte: "Jetzt machen wir das mit dem Keil." Die Verleger stießen verschwörerisch darauf an, orderten "Kuchen!" zum Nachtisch.
"Wir haben die Keil-dazwischen-Taktik mehrfach getestet", erzählte einer von der großen Mediengruppe.
charly & friends
Journalismus und Medien, das Ruhrgebiet, Frauen, Fußball und alles andere
Montag, 13. Mai 2013
Freitag, 10. Mai 2013
Print-Dino stirbt auf einem Tablet
...und dort genau auf der Google-Suche nach dem blöden Leistungsschutzrecht. Ein anderthalb minütiges Video von Designer Ken Ottmann. Seine Animation "Paper Age" wurde für den deutschen Webvideopreis nominiert, steht u.a. hier.
Und wie geht's weiter? Ich stelle es mir so vor: Kaum war der Dino tot, da verschwand mehr als die Hälfte der Einträge aus der Google-Suche.
Und wie geht's weiter? Ich stelle es mir so vor: Kaum war der Dino tot, da verschwand mehr als die Hälfte der Einträge aus der Google-Suche.
Mittwoch, 8. Mai 2013
Rohstoff, mehr Rohstoff!
Der News-Raum. Unendliche Arbeitszeiten. Wir schreiben das Jahr 2013.
„Konferenz!“ bellte Captain Conference, nun schon zum vierten Mal. Die Köpfe flogen herum. „Die Texte sind zu lang“, murrte Leutnant Out („Mein Name ist Out, Lay Out“). Er warf nur ungern schön Gestaltetes um. „Quatsch – die müssen länger sein. Und wir brauchen Grafiken und Info-Kästen. Die Leute wollen das“, maulte Chief Content.
„Nein, da müssen mehr Fotos rein“, brummte Chief Camera. „Die Leute wollen das. Und Fotos haben wir schließlich haufenweise.“ Und so günstig, pflegte er noch hinzuzufügen. Aber nur im Offiziersklub. Vor der Crew beklagte er leidenschaftlich die hohen Kosten.
„Mehr Videos“, erklang plötzlich eine Stimme: „2013 wird das Jahr des Bewegtbildes!“ Wir schauten uns suchend um. Aber da war nur noch diese Stimme, die schon 2009, 2010, 2011 und 2012 Ähnliches in den Raum gerufen hatte.
„Konferenz!“ bellte Captain Conference erneut, als wir uns über die Tastaturen beugen wollten.
Sonntag, 5. Mai 2013
Gutmensch, dank der Grünen
Will er sich bei einer frisch vergrätzten Wählerschicht vorsichtig wieder einschleimen? Will er die Raucher, wenige Tage nach der Einführung des schärfsten Nichtraucherschutzgesetzes der Republik, womöglich zusätzlich noch verar... ähm ... veräppeln? Sven Lehmann, der junge Landesvorsitzende der Grünen (33, Gesundheitsmanager beim Landschaftsverband Rheinland, nach Abitur und Studium gleich auch in die Politik), schrieb auf Twitter:
Nun bin ich also plötzlich ein guter Mensch.
Ein #flausch an all die guten Menschen, die vor den Kneipen ihre Zigaretten rauchen!
— Sven Lehmann (@svenlehmann) 3. Mai 2013
Süffisant formuliert, finde ich. Um mal vorsichtig zu urteilen. Klingt das nicht irgendwie eher, als hätte ein grüner Appell wunderbar gefruchtet und die Menschen überzeugt? Und nicht nach einem knallhart durch die grünen Weltverbesserer verschärften Gesetz.Nun bin ich also plötzlich ein guter Mensch.
Samstag, 4. Mai 2013
Dortmund gegen Bayern ... mal so, mal so
Karikaturisten mit Fußballverstand - gibt's die? Klar! Heiko Sakurai zum Beispiel weiß, dass Doppelmeister Borussia Dortmund und Nachfolger Bayern München im Mai zweimal gegeneinander antreten. Heute in Dortmund, am 25. Mai in Wembley. Zwei Spiele, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.
Heute in der Liga geht's um die Goldene Ananas, höchstens ums Prestige. Wen stellt man da auf? Die Stars? Oder...?
Allerdings möchte Bayern Hoeneß den frisch erfundenen Unbesiegbar-Mythos, Unterabteilung BVB-Spezial, bestimmt nicht verlieren. Und umgekehrt täte ein Heimsieg der eigentlich mit der Saison bereits superzufriedenen schwarzgelben Seele auch ganz gut. Also: doch nicht nur Platzwarte?
Heute in der Liga geht's um die Goldene Ananas, höchstens ums Prestige. Wen stellt man da auf? Die Stars? Oder...?
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| Karikatur: Heiko Sakurai |
Allerdings möchte Bayern Hoeneß den frisch erfundenen Unbesiegbar-Mythos, Unterabteilung BVB-Spezial, bestimmt nicht verlieren. Und umgekehrt täte ein Heimsieg der eigentlich mit der Saison bereits superzufriedenen schwarzgelben Seele auch ganz gut. Also: doch nicht nur Platzwarte?
Freitag, 3. Mai 2013
Langzeit-Portraits: die Brown Sisters
Ich mag Twitter, vor allem weil man immer wieder mit der Nase auf Themen und Dinge gestoßen wird, die man gar nicht gesucht hat. Zum Beispiel hat @markheywinkel kürzlich auf ein beeindruckendes Fotoprojekt aufmerksam gemacht, das ich bisher gar nicht kannte: Der US-Fotograf Nicholas Nixon (1947 geboren, oft geehrt, Ausstellungen, Bücher) hat die Brown Sisters verewigt - mehr als drei Jahrzehnte lang, jedes Jahr, und immer standen Heather, Mimi, Bebe und Laurie in derselben Reihenfolge nebeneinander. Zu Beginn, 1975, waren sie 15 bis 25 Jahre alt.
Die Langzeit-Portraits erzählen, auch wenn man die Frauen nicht kennt. Wir sehen nicht nur sich ändernde Frisuren und Kleidung. Die Zeit gräbt sich in die Gesichter ein, und das Kopfkino beginnt automatisch, zum Beispiel wenn man das unterschiedliche Verhalten untereinander beachtet: Was mögen sie erlebt haben? Gab's mal Krach, Krankheiten, liebevolles Unterstützen?
Es lohnt sich sehr, Jahr für Jahr durchzuklicken und in Ruhe zu betrachten. Alle Bilder gemäß Mark Heywinkels Tipp hier oder bei Youtube im Schnelldurchlauf.
Die Langzeit-Portraits erzählen, auch wenn man die Frauen nicht kennt. Wir sehen nicht nur sich ändernde Frisuren und Kleidung. Die Zeit gräbt sich in die Gesichter ein, und das Kopfkino beginnt automatisch, zum Beispiel wenn man das unterschiedliche Verhalten untereinander beachtet: Was mögen sie erlebt haben? Gab's mal Krach, Krankheiten, liebevolles Unterstützen?
Es lohnt sich sehr, Jahr für Jahr durchzuklicken und in Ruhe zu betrachten. Alle Bilder gemäß Mark Heywinkels Tipp hier oder bei Youtube im Schnelldurchlauf.
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| Fotos: Nicolas Nixon Die zweite von rechts, Bebe, ist Nixons Ehefrau.
Übrigens zeigt die Art Cologne 2013 gerade eine Ausstellung mit Portraits vom Älterwerden.
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Freitag, 26. April 2013
EINtritt: Sind wir nicht alle ein wenig Arianna?
Kurze Kommentare, Lesetipps, Späßchen - regelmäßig steht hier irgendwas mit EIN - von Einfalt bis Einwürfe. Diesmal: Eintritt.
Sind wir nicht alle ein wenig Arianna? Nun soll also die Huffington Post einen deutschen Partner (Tomorrow Focus) gefunden haben. Siehe auch hier bei FAZnet oder hier bei Horizont.net. HuffPost - da war doch was? Ach ja, Arianna Huffington verkaufte sich für 315 Millionen an AOL. Ihre zahllosen Autoren erhielten vom Kuchen nix ab. Nicht mal Krümel. Dabei durften die Blogger doch jahrelang für lau das lukrative InternetBlättchen füllen. Für die Ehre, hieß es. Ariannas Geschäftsmodell: Der Inhalt darf nichts kosten, die Einnahmen gehen an mich. Aber: Sind wir nicht alle ein wenig wie sie? Ich zahle für Einträge anderer in meinem Blog auch keinen Cent. Habe allerdings auch keine Einnahmen. Während die ja bei der HuffPost vorhanden waren. Nein, ich freue mich nicht auf ein weiteres kostenloses Nachrichten- und vor allem Meinungsportal samt Empör-Community im Netz. Wieder sollen bei der HuffPost die freiberuflichen Urheber leer ausgehen, und wieder japsen die Gratis-Nutzer vor Freude wie ein von mehr Gewinn ausgehender Kapitalanleger, wenn Leute gefeuert werden.
Sind wir nicht alle ein wenig Arianna? Nun soll also die Huffington Post einen deutschen Partner (Tomorrow Focus) gefunden haben. Siehe auch hier bei FAZnet oder hier bei Horizont.net. HuffPost - da war doch was? Ach ja, Arianna Huffington verkaufte sich für 315 Millionen an AOL. Ihre zahllosen Autoren erhielten vom Kuchen nix ab. Nicht mal Krümel. Dabei durften die Blogger doch jahrelang für lau das lukrative InternetBlättchen füllen. Für die Ehre, hieß es. Ariannas Geschäftsmodell: Der Inhalt darf nichts kosten, die Einnahmen gehen an mich. Aber: Sind wir nicht alle ein wenig wie sie? Ich zahle für Einträge anderer in meinem Blog auch keinen Cent. Habe allerdings auch keine Einnahmen. Während die ja bei der HuffPost vorhanden waren. Nein, ich freue mich nicht auf ein weiteres kostenloses Nachrichten- und vor allem Meinungsportal samt Empör-Community im Netz. Wieder sollen bei der HuffPost die freiberuflichen Urheber leer ausgehen, und wieder japsen die Gratis-Nutzer vor Freude wie ein von mehr Gewinn ausgehender Kapitalanleger, wenn Leute gefeuert werden.
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Sind wir nicht auch alle ein wenig Uli? Mal ehrlich. Ob der Bayern-München-Präsident unversteuerte Millionen ins Ausland schaffte oder Millionenerträge im Ausland nicht versteuerte - keine Ahnung. Das wird sicher geklärt. Genauso wie die Frage, ob die Adidas-Chef-Knete für Hoeneß und der folgende Adidas-Vertrag mit dem Verein nicht doch irgendwie zusammenhängen. Klar, es dürfte viele Bürgerinnen und Bürger geben, die bei ihrer Steuererklärung ein wenig schummeln. Klar aber auch, da geht's um andere Summen. Und Steuerhinterzieher in Millionenhöhe sind keine kleinen Sünderlein, sondern kriminelle Asoziale. Die Selbstanzeige ist auch nicht gerade heroisch; die hat er erst gemacht, als es kein Abkommen mit der Schweiz (pauschal und anonym) und anscheinend keine anderen Auswege mehr gab. Ob Knast oder Geldstrafe - Hoeneß wird's überleben und nicht hungern. Für ihn am schlimmsten ist, dass sein arrogantes Polit- und Unternehmer-Geschwätz der letzten Jahren nun auf ihn zurückfällt. Moral predigen, Doppelmoral leben - das nimmt man (nicht nur) ihm krumm.
Mittwoch, 24. April 2013
Zeichner-Gipfel beim Gewerkschaftstag
Das war eine wunderschöne Aktion: Zeichner-Gipfel zum Thema "Zeitungssterben" auf dem Gewerkschaftstag des DJV NRW in Düsseldorf. Angetreten waren zwei der besten deutschen Karikaturisten: Berndt A. Skott (Düsseldorf) und Heiko Sakurai (Köln). Zwischen den Diskussionen und Abstimmungen konnten die gut 120 Journalistinnen und Journalisten den beiden zwei Stunden lang beim Stricheln über die Schulter schauen.
Leider konnten die Karikaturen auf der Gewerkschaftstag-Großleinwand nur (zu) kurz präsentiert werden. Und wurden damit eigentlich ungenügend gewürdigt. Die beiden Zeichnungen werden aber demnächst im DJV-Journal, dann sogar koloriert, erscheinen. Charly&Friends darf sie hier und heute schon mal zeigen. Allen Beteiligten sei Dank!
Berndt zeichnete einen skelettierten Goldesel, dem ein entsetzter Geldeintreiber sogar mit Hilfe einer Taschenlampe in den knochigen Allerwertesten schaut: Da kommt nix mehr. Gleichzeitig versucht ein anderer Geschäftsführer, den ausgeplünderten Esel mit einer billigen Möhre zu locken - und die hängt an einem Rotstift.
Herrlich auf den Punkt gebracht! Das gilt auch für Heiko, der eine "Trauerfall"-Szene festhielt: Vor dem Grabmal von "Die Zeitung" und "Der Qualitätsjournalismus" erzählt eine Frau, zuerst sei sie gestorben - und kurz darauf auch er, weil er ohne sie nicht mehr leben konnte.
Grandios, nicht wahr? Da ich nicht ganz unschuldig an der Aktion war, möchte ich Berndt und Heiko auch auf diesem Weg fürs Mitmachen danken.
Leider konnten die Karikaturen auf der Gewerkschaftstag-Großleinwand nur (zu) kurz präsentiert werden. Und wurden damit eigentlich ungenügend gewürdigt. Die beiden Zeichnungen werden aber demnächst im DJV-Journal, dann sogar koloriert, erscheinen. Charly&Friends darf sie hier und heute schon mal zeigen. Allen Beteiligten sei Dank!
Berndt zeichnete einen skelettierten Goldesel, dem ein entsetzter Geldeintreiber sogar mit Hilfe einer Taschenlampe in den knochigen Allerwertesten schaut: Da kommt nix mehr. Gleichzeitig versucht ein anderer Geschäftsführer, den ausgeplünderten Esel mit einer billigen Möhre zu locken - und die hängt an einem Rotstift.
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| Karikatur: DJV NRW / Berndt A. Skott |
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| Karikatur: DJV NRW / Heiko Sakurai |
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