Samstag, 16. August 2014

Totes Holz, totes Holz

Spaziergänge im Blätterwald machen zur Zeit wenig Spaß. Klaus fluchte: „Ruhe? Pah! Immer wieder schlagen Äxte einzelne Lokaläste ab. Inzwischen legen die sogar ganze Zeitungsbäume flach. Da kannste Dich noch so ins Zeug legen.“
 
Katie knirschte mit den Zähnen: „Und überall schleichen diese gierigen Forstberater um die Bäume und wollen an ihnen schütteln, bis noch mehr aus den Nestern fliegen.“ Fritz maulte: „Mich nerven auch die anderen Horden, die durch den Blätterwald laufen und rufen: Wir nehmen's uns einfach!“ Petra schaute auf: „Du meinst diese Silizium-Jünger, die überall Plastikschilder antackern: Totes Holz, totes Holz?“ Fritz nickte.
 
Klaus gluckste kurz auf: „Viele von denen sollen sich ja schon verlaufen haben.“ Wir stutzten. Wieso denn das? „Weil sie den Ausweg auch nicht fanden.“
 
Endlich war auch mal wieder Lachen im Blätterwald zu hören. Bitteres Lachen.
 
 

Mittwoch, 13. August 2014

WDR - Wider Den Rasenmäher

Viele Millionen Euro, allein 30 in 2015, will bzw. muss der immer noch recht neue WDR-Intendant Tom Buhrow (sagte vor dem Amtsantritt: "Ich bring' die Liebe mit") einsparen. Dafür soll im Programm (und damit vor allem bei den Freien Mitarbeitern) kräftig gekürzt und  über Jahre hinweg 500 Planstellen abgebaut werden. Der DJV NRW, die WDR Freien und die DJV-Betriebsgruppe fordern: Keine Rasenmäher-Methoden. Wenn schon sparen, dann intelligent und gemeinsam.



Karikatur: Karlheinz Stannies


Sonntag, 10. August 2014

Modellauto-Affäre: Alles noch schlimmer...

Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer, ihr Mann, die Modellautos, die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Fiskus - der typisch bayerische Komödienstadl unterhält uns gerade mal wieder prächtig. Karikaturist Heiko Sakurai enthüllt jetzt das ganze Ausmaß, auf seine unnachahmliche Weise.
Karikatur: Heiko Sakurai

Titel: Wenn Seehofer DAS wüsste.

Heiko zitiert per Zeichenstift die legendären Dalton-Vettern des belgischen Comics-Zeichners Morris, die von Lucky Luke immer wieder ins Kittchen gebracht werden.

Ich bin sehr froh, hier ab und zu die schönsten Werke von Heiko und anderen begnadeten Kollegen zeigen zu dürfen, sprich: proudly presented.



Samstag, 9. August 2014

Erzähl mal 'ne Schtorri

Kneipengast Peter hatte schon leicht einen im Tee. Er wankte an unseren Stammtisch, nuschelte: „Was ist eigentlich dieses Schtorritälling? Die anne Theke sagen, Ihr müsst das jetzt können. Sonst klappt's nicht mit dem Internetz.“

Wir steckten gerade mitten in der weltmeisterlichen Nachlese. Kann man eigentlich nochmal nur mit Verteidigern zur Tarif-WM fahren? Ist es auf Dauer gut, wenn die Akteure aus so wenigen Vereinen kommen? Und: Was tun, wenn der Gegner vom Platz geht? Bis in die Kabine verfolgen? Solche Sachen. Hinterher sind ja alle Trainer.

Klaus nahm sich Peters Frage an: „Wenn Deine Frau Dich nachher fragt, wo Du her kommst, was sagst Du dann?“ Peter blies die Backen auf: „Öhm, ich sage: Ich komme aus der Kneipe.“ Klaus nickte: „Siehste, das wäre eine Meldung, höchstens ein Bericht. Knapp, nachrichtlich. Wenn Du ihr aber eine Geschichte aus der Kneipe erzählst und die schön ausmalst mit Gesten und Mimik – das ist dann Storytelling.“

In Peters Augen glitzerte Verstehen auf. Lothar setzte nach: „Am besten, Du erzählst dazu noch den neuesten Brüller-Witz vom Wirt und bringst als Beweis Deinen Deckel mit.“ Katrin machte die Story rund: „Und Zeugenaussagen, dass Du diesmal die Finger von Wanda gelassen hast.“ Die Kellerin lächelte im Vorbeigehen und schüttelte sanft den Kopf.

Peter strahlte: „Ach, so geht das. Na, die wird begeistert sein.“ Er dreht ab: „Muss jetzt los. Meine Frau hat Geburtstag.“ Stefan giggelte: „Singt da bei der Pressekonferenz auch ein ZDF-Mann ein Ständchen?“ Martina winkte ab: „Nur wenn wir sie im Ranking vorher zu Deutschlands Drittbester machen.“

Wir fassten uns prustend an den Schultern, zogen in von Zukunftssorgen und Tariffluchten tiefgebückter Polonäse durch die Kneipe: „So spotten Journalisten, Journalisten spotten so...“ Ein weltmeisterlicher Auftritt.


Freitag, 8. August 2014

Übrigens, liebe bedauernswerte Wesen, ...

Karikatur: Jan Tomaschoff
... ist digitale Entrümpelung inzwischen auch bei den Euphorikern des Netzes angekommen. Ommm, einfach mal innehalten, ommm, einfach mal anschauen, was man da so alles treibt. Netzexperte Christian Jakubetz beschreibt dies sehr schön in seinem Blog-Beitrag: Ein Duracell-Häschen namens Journalismus. Er rät zum Einordnen, Nachdenken, Einschränken. Journalismus werde nicht besser, wenn man ihn wie wild in irgendwelche Kanäle schütte. Das überdrehte Journalismus-Häschen könne zwar inzwischen jeden Pups twittern, filmen, fotografieren und anschließend posten, täte damit aber weder sich selbst, noch dem Journalismus oder dem Publikum einen sonderlichen Gefallen. Jakubetz: Gerade dann, wenn man quasi die ganze Welt irgendwo und irgendwie in Echtzeit erleben kann, wäre es guter Journalismus, die Dinge herauszufiltern, die über die Bedeutung des Pupses hinausgehen. Meine Lieblingssätze aus dem Blog-Beitrag sind: Natürlich kann man mühelos jeden Kanal bespielen, der einem gerade in den Sinn kommt. Aber was haben wir selbst davon? Und vor allem der Nutzer, jenes bedauernswerte Wesen, das wir jetzt bombardieren, wo es gerade steht und geht. Und schließlich, Höhepunkt von Jakubetz' Entrümpelung: Genauso übrigens, wie ich inzwischen glaube, dass es eine gute Sache ist, ab und an das Handy auszuschalten, nicht erreichbar zu sein und auch mal selbst die Klappe zu halten.

Donnerstag, 7. August 2014

Wie man sich eine weiße Weste kauft

Es gehört schon eine Menge Chuzpe dazu, finde ich, in einem Schmiergeld-Prozess dem Richter die Zahlung einer Millionen-Summe anzubieten - für kein Urteil. Kann man weiße Westen kaufen? Meine Lieblingszeichner Jan Tomaschoff, Berndt A. Skott und Heiko Sakurai (von oben nach unten) kommentierten den Deal mit Bernie Ecclestone auf ihre Weise, proudly presented.

Karikatur: Jan Tomaschoff
Karikatur: Berndt A. Skott

Karikatur: Heiko Sakurai

Freitag, 1. August 2014

Bochum, Witten, Münster: Noch mehr Einheitsbrei

Alles nur Zufälle. Alles nur der wirtschaftlichen Not gehorchend. Erst schenkte die Essener Funke-Gruppe dem Dortmunder Erzkonkurrenten Lensing-Wolff die Hoheit über die Lokalberichterstattung in Dortmund und Umgebung. Stichwort: Zombie-Zeitung Westfälische Rundschau, deren Lokalausgaben man sogar an die Ruhr Nachrichten verkaufen wollte. Was das Kartellamt verhinderte, siehe hier. Jetzt schenken die Ruhr Nachrichten der WAZ das Lokal-Monopol in Bochum und Witten. Die RN-Ausgaben dort werden Ende Oktober dicht gemacht. Kress berichtet hier, der Pottbloger Jens Matheuszik da, newsroom dort.

Die Ruhrbarone reagierten sofort: Stefan Laurin & Co. starten in einigen Monaten in ihrem Blog einen Lokalteil Bochum, siehe hier. Das taten sie nach der Schließung der WR-Redaktionen auch damals für Dortmund.

Lensing-Wolff versucht es trotz der Kartellamtspleite mit der Rundschau außerdem noch einmal mit einer Sanierungsfusion: Er will die Münstersche Zeitung an die Westfälischen Nachrichten, sprich: den Verlag Aschendorff, verkaufen. Damit hätte auch die Studentenmetropole Münster nur noch Einheitsbrei, selbst wenn die MZ womöglich weiter erscheint. Noch ist wenig Gras darüber gewachsen, dass Lambert Lensing-Wolff vor einigen Jahren die bestehende MZ-Redaktion über Nacht auswechselte - gegen eine vorbereitete Billig-Truppe
. Nun lasse er auch die zweite Mannschaft im Stich, die für weniger Geld mit großem Einsatz gearbeitet habe, schimpft DJV-NRW-Vorsitzender Frank Stach.

Ach ja, Aschendorff, da war doch was? Genau: Die Besitzer der Westfälischen Nachrichten wollen ab 2015 raus aus dem Flächentarif. Weil das Geld doch immer knapper würde. Wie gesagt: Zufälle, alles nur Zufälle...



Kosten sparen, mehr Rendite... Die Einheitsbrei-Aktion beim DJV-Gewerkschaftstag in Essen bleibt aktuell.


Mittwoch, 30. Juli 2014

Kann man so sehen...

Stramme Gewerkschafter können einem so richtig auf den Geist gehen. Immer wieder erklären sie uns, wie es in einer heilen Welt laufen müsste. Martin war auch so einer. Sein Standardspruch: „Kann man so sehen...“ Kunstpause, dann folgen: „Muss man aber nicht.“ Und danach Argumente, die schlechtes Gewissen verursachen.

Auch diesmal blieb uns nichts erspart. Zum Beispiel beim Thema Arbeitszeit. „Nach den ganzen Sparrunden hocken wir jetzt 60 Stunden und mehr in der Redaktion“, stöhnte Berti, „aber hilft nichts, das Blatt muss ja voll werden.“ Aus Martins Ecke kam: „Kann man so sehen...“ Wir verdrehten die Augen – und erfuhren, dass wir nichts verändern, wenn wir nicht wenigstens die Überstunden aufschreiben.

Tarifflucht, Sozialabbau – dasselbe. Auch beim Honorar-Etat. „Wieder gesenkt“, berichtete Karin. „Die Freien maulen nicht, weil sie Angst haben, sonst gar nichts mehr zu kriegen. Ist verständlich.“ Martins unvermeidliches „Kann man so sehen...“ wurde durch den Hinweis ergänzt: „Wenn Freie zusammenhalten und sich nicht gegenseitig unterbieten...“

Genug, Martin! Reicht!

Wir hatten die Nase voll. Unser zunehmendes Knöttern gefiel ihm wohl auch nicht. Martin trank aus und verließ die Kneipe. Wir atmeten auf. Puh, solche Gewerkschaftsfuzzis nerven. „Wir wissen doch selbst, dass wir mehr tun und solidarischer sein könnten“, sagte Petra, alle nickten. „Das muss uns keiner ständig unter die Nase reiben.“

Die Tür öffnete sich einen Spalt. Und von draußen erklang eine leise Stimme: „Kann man so sehen...“