Mittwoch, 23. April 2014

Welttag des Buches: Du bist nicht allein

Okay, okay, heute ist der Welttag des Buches. Und bei Twitter stieß ich auf die Aktion Blogger schenken Lesefreude. Mein Erstling "Du bist nicht allein" zählt sicher nicht zur Literatur. Aber man darf schmunzeln. Über Karikaturen und Glossen zur schönen neuen Medienwelt, über Gewerkschafter und Journalisten, die dabei aufs Korn genommen werden. Auf 100 Seiten. Und das ist doch auch Lesefreude, oder?

Zum Welttag des Buches verlose ich also, ganz spontan und leider zu spät für die offizielle Teilnahme an der Aktion, dieses Buch. Wer bis Ende des Monats hier einen Kommentar hinterlässt (Sicherheitsabfrage beachten) und dabei die Frage beantwortet: Dürfen Journalisten heute noch lachen? - der nimmt an meiner Verlosung teil.

Natürlich ganz ohne Rechts- oder Linksweg, just for fun. Ich drücke die Daumen. Und freue mich auf kreative Antworten auf die Lach-Frage.

 
Bleibt da noch Zeit zum Lachen? Auch diese Zeichnung stammt aus meinem Erst-Buch.
Karikatur: Karlheinz Stannies

Samstag, 12. April 2014

Der BVB in der Arroganzarena

Okay, ist Werbung. Ich weiß, ich weiß. Trotzdem: schön - so im Vorfeld des Spiels um die Goldene Ananas. Man kann halt auch freundlich und augenzwinkernd miteinander frozzeln. Wie Franz und Kloppo. Bin gespannt, wie das Spiel wird: müdes Erfolgs-Gekicke oder mitreißender Spaßfußball.


Freitag, 11. April 2014

Rheinische Post: "An Zynismus nicht zu überbieten!"

Verlagsmanager auf Abwegen
Karikatur: Karlheinz Stannies
Dass die Sprecherin des Verlagshauses Rheinische Post zunächst spitzfindig dementierte: Nein, wir gründen keine tariflose Gesellschaft für die Redaktionen - ohne dazu zu sagen: Wir haben sie doch schon, hihi... geschenkt, Kollegin!

Dass mit Volker Kaufels, Personalchef der Rheinischen Pest, wie sie gerne genannt wird, nun ein BDZV-Vertreter aus den Verhandlungen um den Flächentarif für Tageszeitungen rausfliegt... vermutlich eher ein Gewinn für die Branche.

Dass nun auch der regionale Platzhirsch Rheinische Post die Mindest-Rahmenbedingungen für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen unterlaufen will... ist der dritte Verleger-Schock innerhalb weniger Wochen im Rheinland. Nach der angekündigten Tarifflucht (mit Job-Abbau) der Kölner Zeitungszaren von Stadt-Anzeiger und Rundschau, immerhin Präsident (der feine Herr Helmut Heinen) und Ehrenpräsident (der honorige Herr Alfred Neven DuMont) des BDZV, und den geplanten lokalen Mogelpackungen (mit Job-Abbau) der Westdeutschen Zeitung.

Fassungslos reagierten der DJV NRW und dessen Vorsitzender Frank Stach auf die Meldung und deren Begründung durch die Mediengruppe: Es sei eine tolle Chance für den Nachwuchs und die Pauschalisten und doch super, wenn junge Menschen so sozialversicherungspflichtig beschäftigt würden - siehe hier„Tarifflucht als Chance für den Nachwuchs zu verkaufen, ist an Zynismus nicht zu überbieten", erklärte Frank Stach in einer Pressemitteilung. „Dumping-Konditionen kann man nicht schönreden."

Die dju wertete das RP-Vorgehen als „weiteres Signal der Führung des deutschen Verlegerverbandes, den Flächentarifvertag für die Redakteurinnen und Redakteure zu eleminieren“ - siehe hier.

Ab Montag wird wieder gestreikt. Im Kampf der Tageszeitungsleute geht es um den Flächentarifvertrag, den angeblich auch die Verleger erhalten wollen. Das behauptet der BDZV jedenfalls. Am Donnerstag findet bereits die zehnte Verhandlungsrunde statt. Und einige Ober-Verleger schaffen zwischenzeitlich andere Fakten und wollen anscheinend regelmäßige "Häuserkämpfe" um Gehälter, Arbeitszeit, Urlaub und so weiter. Kann man den Verlegerverband BDZV als Verhandlung"partner" überhaupt noch ernst nehmen?

Montag, 7. April 2014

Lokal? Egal!

Christian Jakubetz ist Journalist, Berater
und Dozent. Er war Redaktionsleiter bei
Tageszeitungen, beim ZDF und N24,
Redaktionsdirektor von Kirch New Media,
Bereichsleiter bei SevenOne Intermedia.
Er gab das Journalisten-Lehrbuch
"Universalcode" heraus und schrieb
das Buch "Crossmedia". Foto: Heike Rost
Christian Jakubetz ist einer, der sich auskennt. Vieler seiner Texte, die u.a. in seinem JakBlog erscheinen, sprechen mir aus dem Herzen oder sind zumindest perfekt geeignet, eigene Überzeugungen zu überdenken. Deswegen freue ich mich, dass er Mitte Mai beim Gewerkschaftstag des DJV NRW einen "Impuls" geben wird. Seit langem rede ich davon, dass die Zeitungskrise vor allem eine Krise der Lokalredaktionen ist, die zu Dutzenden dem Rotstift der Verlage zum Opfer fallen. Jakubetz brachte es jetzt in seinem Blog auf den Punkt: Lokal? Egal! Hier ist sein Text, proudly presented:

Von CHRISTIAN JAKUBETZ

In Aachen hat in den vergangenen Tagen Center.tv dichtgemacht. Nach der Insolvenz im Ruhrgebiet und der Schließung in Bremen ist von der einstigen Idee des “Heimatfernsehens” nicht mehr viel übrig geblieben. Genauer gesagt: nur noch die beiden Standorte, die es auch schon zum Start gab, nämlich Köln und Düsseldorf. Dort leben die beiden Sender vor allem deswegen weiter, weil sie schon lange von den jeweiligen lokalen Platzhirschen geschluckt worden sind. Man lehnt sich also nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man feststellt: Ohne einen halbwegs finanzkräftigen Konzern oder ein paar nicht mal sonderlich getarnte Subventionen (das Modell Bayern) im Rücken, lässt sich lokales Fernsehen nicht machen.

In Düsseldorf, weil wir gerade im Rheinland sind, hat jetzt die “Westdeutsche Zeitung” mehr oder weniger ihren Status als vollwertige Zeitung aufgegeben. In Köln werden gerade Lokalredaktionen von MDS und Heinen-Verlag zusammengelegt, in München steht die “Abendzeitung” kurz vor dem Aus. Man versucht in Köln zwar gerade, die Zusammenlegung irgendwie als Stärkung der publizistischen Irgendwas zu verbrämen, aber auch in diesem Fall lehnt man sich nicht weit aus dem Fenster, wenn man feststellt: Lokaler Journalismus lässt sich auch auf gedrucktem Papier nicht mehr so ganz einfach finanzieren.

In Heddesheim wiederum

Unser wunder Punkt...

... mit dem uns die Manager der Medienhäuser immer wieder zu packen versuchen: Wir wollen Qualität, wir wollen das bestmögliche Produkt, wir wollen im Kontakt mit unseren LesernNutzernSehernHörern die Menschen informieren und unterhalten. Dafür nehmen wir vieles in Kauf, beuten uns notfalls selber aus. Und der Dank? Tarifflucht aller Art und Sozialabbau, Job-Verluste und Redaktionsschließungen, Honorar-Dumping und Respektlosigkeiten. Siehe z.B. die laufende Tarifrunde bei den Tageszeitungen.

Karikatur: Karlheinz Stannies

Freitag, 4. April 2014

Lebenslanges Lernen: Warum Frauen uns über sind

Ich hatte mich immer wieder einmal gefragt, wie Frauen eigentlich so werden, wie sie sind. Das muss doch Gründe haben; und meist liegen entscheidende Weichenstellungen ja in der Kindheit. Seit ich hier gegenüber vom Kindergarten wohne, mit dem Balkon zum Sandkasten, gelingen mir immer tiefere Einblicke.

In der städtischen Einrichtung wird den Mädchen das Kreischen beigebracht. Ausdauerndes, an kein Ereignis gebundenes, Nerven zerfetzendes Kreischen auf Baumwipfelhöhe. Egal, ob nach einem Schubser durch die eher bollerigen Jungs oder vor Vergnügnen – die Mädchen kreischen.

Wahrscheinlich gibt es abgestufte Aufstiegsmöglichkeiten mit Zertifikaten wie Seequiekchen, Frei- und Fahrtenkreische. Und am Ende der Kindergartenzeit wartet auf alle Mädchen der VkK-Abschluss: Vorbildliche kleine Kreische.

Natürlich beschränkt sich das frühweibliche Bildungswesen nach meinen eher unfreiwilligen Balkon-Erfahrungen nicht nur auf Stimmband-Training.

Mittwoch, 26. März 2014

Als Peter den Prekären mal einen ausgab

Peter stöhnte immer wieder theatralisch auf, bis der Stammtisch endlich fragte: Was ist denn los, Kollege? „Ach“, rückte er raus, „ich mache am Newsdesk aus zugeschicktem Material Lokalmeldungen aus anderen Städten, die ich gar nicht kenne. Das ist doch kein Lokaljournalismus.“
 
Wir schauten uns an: Eindeutiger Fall von Jammern auf hohem Niveau?
 
Fritz, der Freie, klopfte dem Verzweifelten auf die Schulter: „Weißt Du, ich schreibe nebenbei für ein paar Cents über die Ratssitzungen einer Kleinstadt – in Bayern. Da war ich auch noch nie. Tagesordnung, Vorlagen, Haushaltsreden, Beschlüsse stehen alle im Internet. Ich hacke es für das Anzeigenblatt dort zusammen, und die sparen sich einen teuren Redakteur.“
 
Marianne räusperte sich. „Ich habe eine Zeitlang von hier aus alle Blaulicht-Meldungen für ein Blättchen in Meck-Pomm geschrieben. Steht ja alles im Internet“, erzählte die Freie. Sie schaute in ihr Glas. „Heute drucken die dort die Polizeiberichte einfach unredigiert ab. Ist noch billiger.“
 
Um über die Runden zu kommen, muss ich künftig wohl auch Hochzeiten knipsen“, stöhnte Anita, die stadtbekannte freie Fotografin. „Und ich schreibe für so ein komisches Internetportal nachts irgendwas über Themen zusammen, die gerade im Trend sind“, sagte Werner, der Freie. „Bringt nur Kleingeld, aber...“
 
Danke, sagte Peter, der Mann mit dem Festgehalt, und gab den prekären Kollegen einen aus. "Ihr habt mich wieder aufgebaut." Und die Freien weinten ins Bier.

 

Dienstag, 25. März 2014

Totes Holz, totes Holz

Spaziergänge im Blätterwald machen zur Zeit wenig Spaß. Klaus fluchte: „Ruhe? Pah! Immer wieder schlagen Äxte einzelne Lokaläste ab. Inzwischen legen die sogar ganze Zeitungsbäume flach. Da kannste Dich noch so ins Zeug legen.“

Katie knirschte mit den Zähnen: „Und überall schleichen diese gierigen Forstberater um die Bäume und wollen an ihnen schütteln, bis noch mehr aus den Nestern fliegen.“ Fritz maulte: „Mich nerven auch die anderen Horden, die durch den Blätterwald laufen und rufen: Wir nehmen's uns einfach!“ Petra schaute auf: „Du meinst diese Silizium-Jünger, die überall Plastikschilder antackern: Totes Holz, totes Holz?“ Fritz nickte.
 
Klaus gluckste kurz auf: „Viele von denen sollen sich ja schon verlaufen haben.“ Wir stutzten. Wieso denn das? „Weil sie den Ausweg auch nicht fanden.“
 
Endlich war auch mal wieder Lachen im Blätterwald zu hören. Bitteres Lachen.