Mittwoch, 26. Februar 2014

Die App des Grauens

Auch am Stammtisch wird ab und zu gespielt. Diesmal zückte Fritz sein Schlaufon, tippte eine App an und zeigte auf sein Display: „Jauch, angeblich in einer Journalisten-Sonderedition. Bin selbst gespannt.“

Die erste Frage war einfach: Wer wird Millionär? „Na klar: Der Christian Nienhaus, weil er die Funke-Gruppe vorzeitig verlässt“, platzte es aus Manni heraus. Applaus, prusting ovations. Wir waren ein wenig albern.

Jauchs nächste Quizfrage war kniffliger: Ist ein Betriebsrat eigentlich wichtig?

a) Quatsch, ich brauche niemanden und ziehe diesen Job hier ganz alleine durch.
b) Nöö. Betriebsräte können ja doch nichts bewirken. Die da oben machen, was sie wollen.
c) Unsinn. Betriebsräte sind doch nur Drückeberger. Die seilen sich ab. Und wir dürfen die Arbeit für sie mitmachen.
d) Sicher, mehr denn je.
 
Hihi, ich kenne welche, die würden mit a bis c liebäugeln“, kicherte Inge. „Aber nur d wie DJV bringt weiter.“ Ja, ja, Inge ist 'ne Überzeugte.
 
Die Fragen wurden immer heikler: Wie gewinnt man auch mal wieder eine Tarifrunde?
 
a) Wozu denn? Die Verleger zahlen, was sie können.
b) Durch Verzicht, wir liegen doch noch über dem Mindestlohn, oder?
c) Wenn wir einen Billig-Tarif abnicken, kommen die Verleger scharenweise zurück in den Tarif.
d) Wir machen eine Online-Petition, vom Sofa aus gibt’s mindestens so viele Klicks wie gegen Lanz.
 
Ähm, was ist denn davon richtig? Online ist doch nie falsch, oder? Wie wurden langsam unsicher. Kann auch am Bier gelegen haben. Fritz klickte schnell weiter: Wie sichern wir vor Ort den Qualitätsjournalismus?

a) Durch Sparen.
b) Durch Streichen.
c) Wenn wir die vielen Schwachen rauswerfen und die wenigen Starken mehr arbeiten, steigt automatisch die Qualität.
d) Durch Zeitungen ganz ohne Redak...
 
Bei d hielten wir uns schon entsetzt die Augen zu. Ist Print noch zu retten? „Schalt ab“, rief Rainer. Das Handy begann zu vibrieren, sprühte Funken. Es erklang diabolisches Lachen. Hatten wir uns die Verleger-Edition andrehen lassen?
 

Sonntag, 23. Februar 2014

Blogger vs Journalisten ...endlich das letzte Duell?

Karikatur: Karlheinz Stannies

Reichweite zahlt keine Miete

Ninia Binias aus Hannover - sie slämmt Poetry und mänätscht Social Media - schreibt, wie ich es mag: witzig, aber mit Absicht(en), auf den Punkt. Ihr Blog heißt NiniaLaGrande. Über Twitter fand ich dort ihren Text "Reichweite zahlt keine Miete". Über Urheber und ihre Erfahrungen mit Auftraggebern. Lesenswert! Ninia gestattet mir, ein paar Passagen zu zitieren. Hier - proudly presented - der Einstieg ins Thema: Es klingelt.

Ich öffne die Tür.Der Mann im Anzug und teure Designerschuhe tragend, der vor mir steht, lächelt und sagt: "Hallo, ich bin von Firma 'Bla'. Wir sind eine ganz tolle Firma und wollen genau Sie dabei haben. Sie bekommen ein eigenes Blog innerhalb unserer Plattform und kommentieren in regelmäßigen Abständen das politisch-gesellschaftliche Geschehen, Nagellackfarben und den unsinnigen Tod von Zootieren. IST DAS NICHT EIN SUPER ANGEBOT?"
Was mache ich?

Genau.
Ich freue mich ein bisschen und frage, was ich dafür bekommen würde.
Und dann antwortet der Mann folgendes: "Äh... Was Sie dafür bekommen? Ja, also, das müsste Ihnen doch klar sein! Aufmerksamkeit! Reichweite! Leserinnen und Leser!"
"Nein, nein, ich meine, was ich finanziell dafür bekomme."
"Ja, also, finanziell", stottert der Mann und fängt an, etwas von Budgetdingen zu erzählen.
"Aber Sie sind doch Bloggerin! Sie schreiben doch quasi freiwillig und sowieso immer. Da müssten Sie doch mit mehr Reichweite zufrieden sein."
"Nein."
"Doch. Und jetzt passen Sie mal auf! Das, das, das macht sich sicherlich auch gut in Ihrem Lebenslauf." (Obacht: Totschlagargument.)
"Oh ja, na gut. Da haben Sie natürlich Recht." Ich unterschreibe den Vertrag und alle sind glücklich.


Und später dann folgt der (natürlich zum Scheitern verurteilte) Versuch, beim Einkauf eines Rocks mit Reichweite und Lebenslauf zu punkten:

Im Geschäft suche ich mir einen wirklich entzückenden Rock aus und trage ihn voller Stolz zur Kasse. Die Kassiererin scannt das Preisschild ein und sagt: "49,90 Euro, bitte." Ich antworte: "Schon in Ordnung. Ich trage den Rock ja in der Öffentlichkeit." Dieses Mal ist sie verwirrt. "Ich trage den Rock. In. Der. Öffentlichkeit", antworte ich langsamer. "Ich mache damit Werbung für Sie. Ich laufe herum und erzähle allen, dass ich diesen Rock von Ihnen bekommen habe. So haben wir doch beide etwas davon." "Nein", antwortet sie. Ich werde langsam wütend und will ihr den Rock samt Tüte aus den Händen reißen, um zu gehen. Sie drückt einen Notknopf unter der Kasse und als ich von den Sicherheitsbeamten weggetragen werde, schreie ich ihr ein "DAS MACHT SICH BESTIMMT AUCH GUT AUF IHREM LEBENSLAUF" hinterher.

Wer den ganzen Text lesen möchte, und das dürfte jetzt so ziemlich jede(r) sein, findet ihn: hier.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Putins Festspiele

Karikatur: Berndt A. Skott
Grausam, was da in Kiew abläuft. Putins Festspiele - so nennt der Düsseldorfer Karikaturist Berndt A. Skott - siehe auch hier und hier - diese Zeichnung, in der er so herrlich die Mitverantwortung von Wladimir dem Großen für Assad, Janukowitsch und Kim Jong Un auf den Punkt bringt. Proudly presented!

Dienstag, 18. Februar 2014

Verrückte Verleger-Ideen: Kranke Weihnachten...

Frank Überall lebt als freier Journalist
in Köln. Er lehrt Journalismus an der
Hochschule für Medien,
Kommunikation und Wirtschaft
(Köln/Berlin). Bei twitter findet
man ihn unter @ueberalltv.
Foto: privat
Die Zeitungsverleger wollten angeblich einen "Tarifvertrag Zukunft" vorlegen. Für die Gewerkschaften ist ihr Papier ein "Tarifvertrag Zumutung", ein Sammelsurium von Streichungen und Kürzungen. Von Modernisierung oder der geforderten Aufnahme der Online in den Tarif keine Spur. In sieben Runden kamen die Tarifverhandlungen für die Redakteure und Freien an Tageszeitungen keinen Schritt weiter. "Rückschritt statt Vorwärtsgang" sagt der DJV inzwischen auf seinen Tarifseiten. Prof. Dr. Frank Überall, Schatzmeister im Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands, kommentiert für Charly&Friends eine besondere "Feinheit"  - proudly presented:

Von FRANK ÜBERALL

Über Tarife zu verhandeln, kann manchmal ganz schön anstrengend sein, ja wahrscheinlich sogar krank machen. Zumindest gilt das für die aktuellen Verhandlungen für die Gehälter der Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat sich doch nun tatsächlich ausgedacht, dass Mitarbeiter in den Verlagen für jeden Tag, den sie (über die geregelte Lohnfortzahlung hinaus) krank sind, weniger Weihnachtsgeld bekommen! Das ist natürlich unsozial, leistungshemmend und dumm. Auch Verleger wissen, dass es bei einer Grippe kaum Sinn macht, in die Redaktion zu kommen - man würde die halbe Belegschaft anstecken, was wiederum noch teurer würde als der kurzfristige Verzicht auf einen Arbeitnehmer, der seine Krankheit rechtschaffen auskuriert.

Wie können Verleger dann trotzdem derart kranke Ideen vertreten? Wenn in anderen Bereichen solche Ideen salonfähig würden, würden wohl genau die Zeitungen der Verleger äußerst kritisch darüber berichten. Wenn sich das ein Landtag für die Lehrer und Polizisten seines Landes ausdenken würde, wenn ein Autohersteller das für seine Beschäftigten organisieren würde - der Protest wäre groß...


Aber bis Weihnachten ist es bekanntlich noch lange hin, das Fest der Liebe (und der beabsichtigten Kürzung des Weihnachtsgelds) ist eben erst am Jahresende. Bis dahin hat das Servicepersonal himmlischer Sphären auch noch genug Zeit zum Nachdenken: Sollten Christkind und Weihnachtsmann die absurden Forderungen der Verleger dabei als "krank" erkennen, wird ihnen womöglich jeder Tag, den sie störrisch den Gewerkschaften mit Zumutungen gegenüber treten, als negativ ausgelegt werden. Die Weihnachtsgeschenke dürften für diesen Personenkreis dann viel kleiner ausfallen. Gerecht wäre das...

***


Volles Haus in Schwerte. Foto: DJV NRW/Klaus Daub
P.S.: Am Mittwoch (19.2.) warnstreikten rund 300 Kolleginnen und Kollegen aus dem Ruhrgebiet, dem Westlichen Westfalen, Köln und Umgebung. Siehe DJV-Bericht hier. Am Donnerstag und Freitag machen in NRW die wilden Ostwestfalen weiter. Auch in anderen Bundesländern gab es und gibt es Journalistenstreiks.

Freitag, 14. Februar 2014

Vom Sockel

Karikatur: Karlheinz Stannies
Scheinbar waren die Gespräche über seine Abfindung erfolgreich: Gruppengeschäftsführer Christian Nienhaus ist nicht mehr bei der Funke-Mediengruppe - wie Hunderte von angestellten und freien Redakteuren, die Bodo Hombach und er in die Wüste schickten. Diese Karikatur ist die aktualisierte Version einer früheren Zeichnung, siehe hier.

Montag, 3. Februar 2014

Newsdesks - endlich entzaubert?

Chefs scharen gern ihr wichtigstes Personal um sich, damit auch alle schön pflichtgemäß an den Lippen der Heilsbringer hängen. Das erklärt den schier unaufhaltsamen Erfolg von Newsdesks in deutschen Zeitungsredaktionen. Manche dieser gebündelten Steuereinheiten wirken inzwischen wie Kommandozentralen auf Raketenstart-Basen.

Beim Trierischen Volksfreund wird nun die Newsdesk-Struktur zurückgebaut - zugunsten der Lokalredaktionen. Wie schon ansatzweise beim ContentDesk der Funke-Gruppe-Zeitungen. Beim Volksfreund sollen auch Blattmacher wieder berichten und Schreiber wieder Seiten gestalten. Der Anfang vom Ende des Newsrooms? Das fragt auch der "journalist" in der Januar-Ausgabe.

Ich habe Newsdesks nie gemocht. Zumal, wenn sie Lokalredaktionen total enteierten, verwinzigten und selber einen auf wichtig machten. Oft genug übernahmen Blattmacher das Ruder, Journalismus vor Ort landete auf Platz zwei. Hier meine Lieblingsglosse zum Thema:

Rohstoff, mehr Rohstoff


Karikatur: Karlheinz Stannies
Der News-Raum. Unendliche Arbeitszeiten. Wir schreiben das Jahr 2014.

„Konferenz!“ bellte Captain Conference, nun schon zum vierten Mal. Die Köpfe flogen herum. „Die Texte sind zu lang“, murrte Leutnant Out („Mein Name ist Out, Lay Out“). Er warf nur ungern schön Gestaltetes um. „Quatsch – die müssen länger sein. Und wir brauchen Grafiken und Info-Kästen. Die Leute wollen das“, maulte Chief Content.

„Nein, da müssen mehr Fotos rein“, brummte Chief Camera. „Die Leute wollen das. Und Fotos haben wir schließlich haufenweise.“ Und so günstig, pflegte er noch hinzuzufügen. Aber nur im Offiziersklub. Vor der Crew beklagte er leidenschaftlich die hohen Kosten.

„Mehr Videos“, erklang plötzlich eine Stimme: „2014 wird das Jahr des Bewegtbildes!“ Wir schauten uns suchend um. Aber da war nur noch diese Stimme, die schon 2009, 2010, 2011, 2012 und 2013 Ähnliches in den Raum gerufen hatte.

„Konferenz!“ bellte Captain Conference erneut, als wir uns über die Tastaturen beugen wollten.

„Rohstoff! Ich brauche mehr Rohstoff“, rief Captain Click, von seinem Feldbett aus. Er stammt von Digitalo. Dort schläft nie jemand zu Hause. Die ewig hungrige Raum-Maschinerie fordert Nachschub, rund um die Uhr. Das wusste er genau.

„Zapft die Außenstationen nochmal an!“ brüllte Commander Chaos. „Draußen sind aber einige ausgebrannt“, warf einer vorsichtig ein – und auch seine Augen glühten schon. „Alles kein Grund für Tipp- und Flüchtigkeitsfehler“, stupste ihn Chief Content an. Und zückte seinen Abmahnungsblock.

„Ausgebrannt? Dann taut einfach ein paar Dutzend vom Freiwilligen-Vorrat auf“, orderte der Commander. „Wie üblich für Ruhm und Ehre?“ fragte ihn Chief Cent. „Wofür denn sonst? Und wenn sie sich gut machen, kriegen sie vielleicht in ein paar Jahren Essenszuschuss.“ Chaos grinste.

„Konferenz!“ bellte Captain Conference schon wieder. Eigentlich wollten wir gerade mit der Arbeit beginnen.

Sonntag, 2. Februar 2014

Samstag, 1. Februar 2014

Wohin mit der Kohle?

Der Essener Karikaturist Thomas Plaßmann macht oft den Unterschied! Wenn ich mal wieder ein kostenloses Zwei-Wochen-Abo der Lokalzeitungen hier angeboten bekomme, dann wähle ich die NRZ - vor allem auch wegen Plaßmann, dessen oft geniale Zeichnungen dort erscheinen. In dieser Karikatur, die ich über Twitter gefunden habe, steckt so viel Wahres drin... proudly presented:
Karikatur: Thomas Plaßmann