Freitag, 26. April 2013

EINtritt: Sind wir nicht alle ein wenig Arianna?

Kurze Kommentare, Lesetipps, Späßchen - regelmäßig steht hier irgendwas mit EIN - von Einfalt bis Einwürfe. Diesmal: Eintritt.

Sind wir nicht alle ein wenig Arianna? Nun soll also die Huffington Post einen deutschen Partner (Tomorrow Focus) gefunden haben. Siehe auch hier bei FAZnet oder hier bei Horizont.net. HuffPost - da war doch was? Ach ja, Arianna Huffington verkaufte sich für 315 Millionen an AOL. Ihre zahllosen Autoren erhielten vom Kuchen nix ab. Nicht mal Krümel. Dabei durften die Blogger doch jahrelang für lau das lukrative InternetBlättchen füllen. Für die Ehre, hieß es. Ariannas Geschäftsmodell: Der Inhalt darf nichts kosten, die Einnahmen gehen an mich. Aber: Sind wir nicht alle ein wenig wie sie? Ich zahle für Einträge anderer in meinem Blog auch keinen Cent. Habe allerdings auch keine Einnahmen. Während die ja bei der HuffPost vorhanden waren. Nein, ich freue mich nicht auf ein weiteres kostenloses Nachrichten- und vor allem Meinungsportal samt Empör-Community im Netz. Wieder sollen bei der HuffPost die freiberuflichen Urheber leer ausgehen, und wieder japsen die Gratis-Nutzer vor Freude wie ein von mehr Gewinn ausgehender Kapitalanleger, wenn Leute gefeuert werden.
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Sind wir nicht auch alle ein wenig Uli? Mal ehrlich. Ob der Bayern-München-Präsident unversteuerte Millionen ins Ausland schaffte oder Millionenerträge im Ausland nicht versteuerte - keine Ahnung. Das wird sicher geklärt. Genauso wie die Frage, ob die Adidas-Chef-Knete für Hoeneß und der folgende Adidas-Vertrag mit dem Verein nicht doch irgendwie zusammenhängen. Klar, es dürfte viele Bürgerinnen und Bürger geben, die bei ihrer Steuererklärung ein wenig schummeln. Klar aber auch, da geht's um andere Summen. Und Steuerhinterzieher in Millionenhöhe sind keine kleinen Sünderlein, sondern kriminelle Asoziale. Die Selbstanzeige ist auch nicht gerade heroisch; die hat er erst gemacht, als es kein Abkommen mit der Schweiz (pauschal und anonym) und anscheinend keine anderen Auswege mehr gab. Ob Knast oder Geldstrafe - Hoeneß wird's überleben und nicht hungern. Für ihn am schlimmsten ist, dass sein arrogantes Polit- und Unternehmer-Geschwätz der letzten Jahren nun auf ihn zurückfällt. Moral predigen, Doppelmoral leben - das nimmt man (nicht nur) ihm krumm.

Mittwoch, 24. April 2013

Zeichner-Gipfel beim Gewerkschaftstag

Heiko Sakurai (links) und Berndt A. Skott präsentieren ihre
Zeichnungen. Über zwei Stunden brauchten sie allein für die
Schwarz-weiß-Version - und dabei hatten sie ihre Ideen
bereits im Kopf mitgebracht. Karikaturen, gezeichnete
Kommentare, entstehen halt nicht ruckzuck nebenbei.
Foto: DJV NRW / Anja Cord
Das war eine wunderschöne Aktion: Zeichner-Gipfel zum Thema "Zeitungssterben" auf dem Gewerkschaftstag des DJV NRW in Düsseldorf. Angetreten waren zwei der besten deutschen Karikaturisten: Berndt A. Skott (Düsseldorf) und Heiko Sakurai (Köln). Zwischen den Diskussionen und Abstimmungen konnten die gut 120 Journalistinnen und Journalisten den beiden zwei Stunden lang beim Stricheln über die Schulter schauen.

Leider konnten die Karikaturen auf der Gewerkschaftstag-Großleinwand nur (zu) kurz präsentiert werden. Und  wurden damit eigentlich ungenügend gewürdigt. Die beiden Zeichnungen werden aber demnächst im DJV-Journal, dann sogar koloriert, erscheinen. Charly&Friends darf sie hier und heute schon mal zeigen. Allen Beteiligten sei Dank!

Berndt zeichnete einen skelettierten Goldesel, dem ein entsetzter Geldeintreiber sogar mit Hilfe einer Taschenlampe in den knochigen Allerwertesten schaut: Da kommt nix mehr. Gleichzeitig versucht ein anderer Geschäftsführer, den ausgeplünderten Esel mit einer billigen Möhre zu locken - und die hängt an einem Rotstift.

Karikatur: DJV NRW / Berndt A. Skott
Herrlich auf den Punkt gebracht! Das gilt auch für Heiko, der eine "Trauerfall"-Szene festhielt: Vor dem Grabmal von "Die Zeitung" und "Der Qualitätsjournalismus" erzählt eine Frau, zuerst sei sie gestorben - und kurz darauf auch er, weil er ohne sie nicht mehr leben konnte.

Karikatur: DJV NRW / Heiko Sakurai
Grandios, nicht wahr? Da ich nicht ganz unschuldig an der Aktion war, möchte ich Berndt und Heiko auch auf diesem Weg fürs Mitmachen danken.

Montag, 22. April 2013

WR-Betriebsrat und DJV: Gutes für Feste und Freie

Die Jobs sind weg, die Aufträge futsch - jetzt wenigstens dieser Erfolg für den Betriebsrat der Westfälischen Rundschau (WR): Die Geschäftsleitung hat den Vorschlag des Einigungsstellen-Vorsitzenden in Sachen Transfergesellschaft für die gefeuerte Belegschaft angenommen, berichtet das Gewerkschaftsblog Medienmoral NRW. Ergebnis: Die Funke-Gruppe stellt 250.000 Euro zusätzlich zur Verfügung. Ursprünglich hatten die Geschäftsführer erklären lassen, das sei alles mit drin in der Sozialplan-Summe.

Er wandelt noch - der Geist der Rundschau
Karikatur: Karlheinz Stannies
Konkret heißt das: Die ehemaligen Beschäftigten können im Anschluss an ihre jeweilige Kündigungsfrist für sechs Monate in die Transfergesellschaft und deren Angebote nutzen. Zusätzlich wird eine Transferagentur eingerichtet und Angebote wie Profilings, Coachings, fachliche Beratungen, Qualifizierungen und Workshops zur beruflichen Neuorientierung machen. Was es eben so alles auf dem Markt gibt, um Gefeuerte fit für neue Jobs zu machen. Die früheren Rundschauer werden am Mittwoch (24. April, 11 Uhr) auf einer Betriebsversammlung in Hagen über finanzielle und rechtlichenRahmenbedingungen informiert.

Exklusiv
Karikatur: Karlheinz Stannies
Aber auch für die Freien Journalistinnen und Journalisten der WR gibt es gute Nachrichten. Der DJV hat mit der Funke-Gruppe eine Art "Sozialplan" für sie ausgehandelt. Je nach Beschäftigungsdauer gibt es für sie - wenn sie auf Klagen oder so verzichten - ein Viertel bis Dreiviertel eines durchschnittlichen Jahreseinkommens als "Abfindung". So etwas gab es noch nie. Die Freien können entscheiden, ob sie das Angebot annehmen.

Im Rahmen des Gewerkschaftstages (am vergangenen Wochenende in Düsseldorf) hat der Gesamtvorstand des DJV NRW zudem beschlossen, dass die Hilfsangebote des DJV NRW an seine Mitglieder unter den WR-Freien (u.a. Darlehen zur Überbrückung von Notlagen) auch für die Freien der WAZ-Ausgabe Unser Vest gelten. Die Geschäftsführung hat inzwischen bestätigt, dass diese Redaktion zum 30. April geschlossen wird. Die Ausgabe erscheint weiter, die lokalen Inhalte liefert künftig der Erzrivale, das Medienhaus Bauer.

P.S.: Hier geht's zur Soli-Seite für Unser Vest auf Medienmoral NRW. Und hier kann man sich nochmal das Video von der DJV-Aktion in Recklinghausen ansehen.

Sonntag, 21. April 2013

Warum ich nicht mehr Gitarre lernen möchte

Junge... kann dieser Mann Gitarre spielen! Der Tipp kam über Twitter vom Blog Das Kraftfuttermischwerk. Ich habe reingeklickt - und Estas zugehört. Unglaublich. Mir fiel dabei wieder ein, dass ich auch sehr gerne ein Instrument spielen könnte. Schon mein Leben lang; und ich habe es ständig auf "später" verschoben. Wenn mal mehr Zeit ist.

Inzwischen ginge es vielleicht. Aber welches Instrument? Ich dachte eigentlich immer an Saxophon, weil das ein absolut geiles Gerät ist. Mit wahnsinniger Ausdruckskraft. Gitarre war bei mir im Hinterkopf höchstens zweite oder dritte Wahl, weil: mehr Klampfe, Untermalung für Gassenhauer-Songs. Trotzdem fragte ich mich oft: Nicht lieber doch Gitarre? Gefühlt erschien sie mir einfacher, schneller erlernbar.

Habe ich mir jetzt vorgenommen, doch Gitarre zu lernen? Nö, nicht mehr nachdem ich den unerreichbaren Estas sah.


Donnerstag, 18. April 2013

Proudly presented: Jan Tomaschoff

Ich liebe Karikaturen. Und ich bewundere Karikaturisten. Deshalb möchte ich hier einen weiteren Meister des Zeichenstifts vorstellen: Jan Tomaschoff. Er erlaubte mir, hier ab und zu einige seiner Zeichnungen zu zeigen - proudly presented:

Online und Print ... Karikatur: Jan Tomaschoff

So sieht er aus (Foto: privat)
Vorsicht, dieser Mann kennt unsere Ängste und Begierden ganz genau: Jan Tomaschoff, 1951 in Prag geboren, ist ein berühmter Karikaturist - aber im Hauptberuf Arzt, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut. Seit 1985 mit gut gehender Praxis in Düsseldorf.

Aber er zeichnet schon sein Leben lang, veröffentlichte sein erstes Striche-Werk mit zwölf. Als er 15 war, zog seine Familie nach Düsseldorf. Jan studierte an der dortigen Kunstakademie, fand aber wohl, dass Karikatur dort zu kurz kam. Also wurde er Mediziner - und das Karikieren blieb für ihn eine geliebte Nebentätigkeit.

Karikatur: Jan Tomaschoff
Gut für uns. Jan gilt als politischer Karikaturist, aber auch Betrachter des Alltäglichen. Er entlarvt gern Phrasen und Lügen mit dem Zeichenstift, schrieb die Medical Tribune, für die er seit Jahren zeichnet. Seine Karikaturen waren aber auch hier zu sehen: Pardon, Eulenspiegel, Nebelspalter, Spiegel, Süddeutsche, Welt. Er erhielt viele Auszeichnungen, machte Ausstellungen im In- und Ausland. Ich freue mich, ihn auf Charly&Friends präsentieren zu können. Jan ist übrigens auch Mitglied des Karikaturisten-Stammtisches "Rheinische Humorverwaltung", dem auch Berndt A. Skott und Heiko Sakurai angehören.

Mittwoch, 17. April 2013

Voll am Tresen

Draußen vor der Tür...
Foto: Karlheinz Stannies
Die Wirte der gemütlichen Eckkneipen im Ruhrgebiet freuen sich wie Bolle: Ab 1. Mai strömen endlich die Nichtraucher wieder in Scharen in die Kneipen. Das bringt richtig Umsatz, da wird's richtig voll am Tresen, glaubt man den Ankündigungen der Rauch-Meider bzw. deren Begründungen für's bisherige Nichtkommen. Nun gibt's keine Ausreden mehr, lieber Nichtraucher, die ja in der Mehrheit sind; die Kneipenwirte strahlen und ordern voller Zuversicht schon mal mehr Fässer zum Anzapfen.

Dagegen stöhnen die Wäschereien in NRW und bereiten sich auf Massenschließungen vor: Die Klamotten der Nichtraucher fehlen in den Auftragsbüchern. Sie stinken künftig nicht mehr - zumindest nicht nach kaltem Rauch, was ja besonders unangenehm ist, okay: nach Bier und Parfüm, Achselschweiß und Knoblauch und allen anderen Ausdünstungen müffeln sie schon noch. Aber das macht das Stinke-Argument ja nicht schlechter.

Das Nichtraucherschutz-Gesetz in NRW tritt also in Kraft und Steffens. Ich muss sagen: Ich rauche gerne draußen vor der Tür. Verlasse sehr gerne stundenlange Veranstaltungen oder Sitzungen, um an die frische Luft zu gehen und diese durch das Tabakstäbchen zu saugen. Herrlich! Ich habe dabei schon sehr viele nette Leute von Nebentischen kennengelernt, nur weil wir gemeinsam draußen standen.

Mich stört der Nichtraucherschutz also nicht. Ich möchte niemanden potenziell umbringen. Daher finde ich es z.B. auch irgendwie blöd, wenn sich Nichtraucher in den Pausen zu den Rauchern gesellen. Bleibt bitte weg! Gefährdet Euch nicht selbst; zum Nichtraucher-Schutz gehört auch ein wenig Selbstverantwortung.

P.S.: Da ich zu Hause rauche, habe ich für Grüne vor einigen Wochen per Twitter vorsorglich ein pauschales Besuchsverbot ausgesprochen. Einer antwortete: Ich würde auch nicht kommen wollen. Ich schrieb zurück: Prima, danke, eine Sorge weniger.

Samstag, 13. April 2013

Hier liegt die lokale Medienvielfalt am Boden

Protestaktion gegen das
"Zeitungssterben" in Recklinghausen
Foto: Karlheinz Stannies
Christian trillerte - und Menschen fielen in Recklinghausen zu Boden. Lagen minutenlang vor der WAZ-Redaktion und in der Innenstadt herum. Sie legten sich quer, symbolisch gegen das "Zeitungssterben", das erneut den Kreis Recklinghausen erreicht hat.

Die Funke-Gruppe, unglaublich schnell zum Synonym für Personalabbau (trotz Riesen-Rendite) und Mogelpackungen (statt lokaler Meinungsvielfalt) verkommen, will die WAZ-Redaktion Unser Vest auflösen, womöglich schon zum Monatsende - eine Sparmaßnahme im Zusammenhang mit dem Abbau von insgesamt 200 Stellen. Sie bedeutet das Aus für neun Redakteurinnen und Redakteure, einige freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zwei Sekretärinnen.

Wie bei der Mogelpackung Westfälischen Rundschau soll die Ausgabe weiter erscheinen (um Verbreitungsgebiete bzw. Anzeigenpreise nicht zu gefährden). Allerdings kommen die lokalen Inhalte vom früheren Erzfeind, aus den Lokalredaktionen des Medienhauses Bauer. Damit gäbe es für die lokalen Leserinnen und Leser im Kreis Recklinghausen künftig nur noch einen Lokalteil, eine gedruckte Meinung. Hier geht's zur Pressemitteilung des DJV NRW. Unten das DJV-Video zur Aktion.



Die Kreis-Ausgabe "Unser Vest" war vor sieben Jahren als Ersatz für sieben (!) geschlossene WAZ-Lokalredaktionen entstanden. Die Funke-Gruppe wird in rund fünf Jahren in ihren vier Zeitungen (WAZ, NRZ, WP und Zombie-WR) jede zweite Redaktionsstelle abgebaut haben.

Auch viele Politiker sind besorgt wegen der entstehenden Meinungsmonopole.

Auch in der Innenstadt: Querlegen gegen die WAZ-Axt.
Foto: Karlheinz Stannies
Mario Herrmann (Grüne) schreibt hier u.a.: "Ich will ja nicht schwarz malen, aber ich fürchte, ein Trend wird sich noch dramatischer zuspitzen: Dass die Menschen über das, was in Berlin, Brüssel oder Washington passiert, besser informiert sind als über Themen in der eigenen Stadt."

Freitag, 12. April 2013

Nicht der verlängerte Pinsel des Redakteurs

"Wir sind nicht der verlängerte Pinsel des Redakteurs!" Dieser selbstbewusste Karikaturisten-Satz stammt von Berndt A. Skott. Die Künstler unter den Journalisten sind halt eine eigene Liga. Sie kommentieren mit dem Zeichenstift.

 
Berndt bei der Ausstellungseröffnung.
Foto: Karlheinz Stannies
Seit Freitagabend wird in der Düsseldorfer Fiftyfifty-Galerie (Jägerstraße 15) die Ausstellung "Mit spitzer Feder" mit 70 Skott-Zeichnungen gezeigt. Damit ehrt die Obdachlosenhilfe den Düsseldorfer Karikaturisten, der die Organisation seit Jahren unterstützt (mehr dazu hier) - ein Geburtstagsgeschenk zum Siebzigsten.

Zur Eröffnung kamen auch viele Zeichner-Kollegen - von Walter Hanel über Dirk Meissner oder Burkhard Fritsche bis hin zu Birte Strohmayer, Jan Tomaschoff, Utz Peter Greis und Michael Hüter.

Donnerstag, 11. April 2013

Querlegen für lokale Meinungsvielfalt

Nein zu journalistischen Mogelpackungen! Ja zur lokalen Presse- und Meinungsvielfalt.

Treffpunkt: 11.30 Uhr am Rathaus. Die Gewerkschaften DJV und dju rufen am Samstag (13.4.) zu einer Protestaktion in Recklinghausen auf. Dort will die Funke-Gruppe, der auch mit neuem Namen (früher WAZ-Gruppe) nicht mehr als die Vernichtung von Arbeitsplätzen einfällt, die WAZ-Redaktion Unser Vest dicht machen. Betroffen: neun Redakteurinnen und Redakteure, einige Freie und zwei Sekretärinnen.

Dutzende Lokalredaktionen dicht,
Hunderte Jobs vernichtet. Sie
gibt keine Ruhe: die WAZ-Axt am
Lokalen.
Karikatur: Karlheinz Stannies
Wie bei der Westfälischen Rundschau (alle Redaktionen dicht) plant die Funke-Gruppe auch für den Kreis Recklinghausen eine Mogelpackung: Die WAZ-Lokalausgabe erscheint weiter - aber mit den lokalen Inhalten vom Erzkonkurrenten, dem Medienhaus Bauer. Sprich: In den meisten Städten des Kreises gibt es danach nur noch eine Print-Berichterstattung, nur noch eine Print-Meinung.

Foto: Archiv Medienmoral
 Gegen den Abbau von Arbeitsplätzen und Vielfalt wollen sich Journalistinnen und Journalisten am Samstag buchstäblich "querlegen". Vor der WAZ und in der Altstadt.

Die WAZ-Regionalredaktion Unser Vest wurde vor sieben Jahren eingerichtet, als im Kreis Recklinghausen sieben Lokalredaktionen geschlossen wurden. Dies wurde, wie bei den Geschäftsführern und sogar auch Mitgliedern der Chefredaktion üblich, als Qualitätssteigerung "verkauft". Die Beschränkung auf angeblich beste Geschichten aus den jeweiligen Städten sei Journalismus der Zukunft. Dieses Augenwischerei-Konzept ging - trotz allen Einsatzes der Kolleginnen und Kollegen - voll in die Hose: Viele Leserinnen und Leser sprangen ab, sie wollen halt gute und ausführliche lokale Berichterstattung, nicht nur Häppchen oder Abgehobenes.

Eine der wenigen (wenn auch absehbar falschen) Ideen - endgültig gescheitert. Ein paar Jahre durfte die Ausgabe Unser Vest überleben, wohl um nicht vor der im Kreis Recklinghausen übermächtigen Bauer-Konkurrenz einzuknicken, aber auch um einige hochrangige Gesichter zu wahren. Inzwischen ist den Verantwortlichen in der Funke-Gruppe auch dies völlig egal. Nur noch Rendite zählt.

Montag, 8. April 2013

Die Karikatur zur Champions League

Dienstag Dortmund, Mittwoch Bayern - wer rockt weiter die Champions League? Daumen drücken ist angesagt. Wen Europa aber wirklich fürchtet und hasst, ist für Karikaturist Heiko Sakurai klar - proudly presented:

Karikatur: Heiko Sakurai
Heiko hat übrigens ein Büchlein mit seinen "Karikaturen des Jahres" (2012) auf den Markt gebracht. Hier kann man es bestellen. Warum ich Karikaturisten (die Künstler unter den Journalisten) so bewundere, steht hier. Und warum man am Freitag Berndt A. Skott in Düsseldorf treffen sollte, steht hier.


Mittwoch, 3. April 2013

Brauns Ohrfeige für Journalisten

Nein, man muss sich wirklich nicht immer und über alles aufregen. Wer nur jeden zweiten möglichen Anlass fürs Aufbrausen nutzt, erhöht schon seine Lebensqualität. Aber - wofür hat man schließlich ein Blog!? - diesen hier mag ich einfach nicht auslassen: Manfred Braun, Geschäftsführer der Funke-Gruppe und damit einer der Chefs von drei Zeitungen und einem Zeitungszombie, hat den publizistischen Schlaumeier gespielt und Watschn an Journalisten verteilt.

Sein Vorwurf: Ihr Zeitungsredakteure schreibt doch nur für euch, denkt nur in Geschichten. Sein Rat: Seid lieber lesernah als journalistisch gut.

Als wenn Lesernähe und Journalismus ein Gegensatzpaar wäre.

Mehr Lesernähe! Sicher eine ewige Forderung, die man immer und überall erheben kann. Und zwar völlig zu Recht. Deshalb kann man auch zwei Internet-Koryphäen nicht so ohne weiteres widersprechen. Weder Christian Jakubetz, der in seinem "JakBlog" was von "ritualisierten Amtshandlungen" statt lesernaher Berichterstattung schrieb (die Jakubetz "speziell im Lokalen" ausmachte, obwohl es Braun genereller meinte). Noch Ulrike Langer, seiner Mitautorin von "Universalcode - Journalismus im digitalen Zeitalter", die auf Twitter ebenfalls Verständnis für die Forderung äußerte. Mit notwendigen Ergänzungen, die sie im "JakBlog" gottlob anfügte: "Dass ,mehr Lesernähe' nicht bloß gefordert, sondern auch umgesetzt werden muss, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Und Lesernähe gegen journalistische Qualität auszuspielen, wie Braun im Interview erwähnt, ist natürlich auch Quatsch."

Zurück zum Herrn Braun, dem Hendrik Zörner im DJV-Blog ein "Pfui!" gönnte. Er betonte in einem Interview mit der Fachzeitschrift MedienWirtschaft, das Lokale sei das Marktpotenzial der Regionalzeitungen. Wahrscheinlich war es ein Sonntags-Interview. Ab montags leitet er dann wieder ein Medienhaus, das innerhalb von fünf Jahren die Hälfte seiner Redaktionsmannschaft abgebaut haben wird - und zwar vor allem im Lokalen. Dabei wurde in vielen Lokalredaktionen die Belegschaft über die Schmerzgrenze hinaus ausgedünnt. So spielt man also die Gewinnerkarte "Stärke des Vor-Ort-Seins" voll aus?

Dienstag, 2. April 2013

Scoopshots und Arschtritte

Leser-Blatt-Bindung ist was Wunderbares. Das muss sich auch der WAZ-Fotopool gedacht haben. Kaum fragte man sich, wie die zentralen Fotobeschaffer der Funke-Gruppe ihre Zeitungen und das Internet überhaupt noch bebildern wollen, wenn nach dem Willen der Eigentümer (Frau Grotkamp und Konsorten) und der Geschäftsführung jede(r) zweite Fotograf(in) - 20 von 41, nach zum Teil vielen treuen Jahren - einen rendite-gezielten Arschtritt bekommen hat, siehe hier. Schon hat Newmedia-Chef Oliver Multhaup, stets so flexibel wie gewünscht, eine Lösung parat: Scoopshot.

Pottblogger Jens Matheuszik hat es hier erklärt: Mit Hilfe der App Scoopshot sollen Leserinnen und Leser künftig die Lücken füllen, sprich: Handy-Fotos machen und der WAZ zum Kauf (!) anbieten.

Reden wir mal ausnahmsweise nicht von Qualität. Die zählt bei Funkes anscheinend nicht mehr. Reden wir nur mal kurz vom Geld: Für Straßenschäden-Bilder gibt's zum Beispiel 20 Euro - und damit mehr als die meisten hauptberuflichen freien Fotografen bundesweit von ihren Tageszeitungen erhalten, siehe hierhier oder hier.

Übrigens: Für die bald Gefeuerten und alle anderen Profis hat Oliver Multhaup einen Trost bereit. Sie könnten sich ja Scoopshot Pro runterladen - und bekämen dann vielleicht sogar Aufträge von der WAZ.