Dienstag, 19. Februar 2013

WR: Kündigungen, Einigungsstelle, Extrablatt

Es gibt drei neue Nachrichten zur Westfälischen Rundschau (WR). Dort wurden die meisten Redaktionen bereits geschlossen, der Rest folgt Ende März. 300 feste und freie Journalistinnen und Journalisten verlieren ihren Arbeitsplatz bzw. Aufträge und Honorare. Die WR erscheint weiter - mit fremden Inhalten. Neu ist:

Erstens: Über 90 Anhörungen zu Kündigungen wurden dem Betriebsrat inzwischen vorgelegt. Das sprach sich nach der WR-Betriebsversammlung am Montag schnell herum. Nach der gesetzlichen Anhörungsfrist (eine Woche) könnten die ersten Kündigungen ausgesprochen werden.
Zweitens: Bei der Betriebsversammlung sollen die Redakteurinnen und Redakteure („Wir haben nichts zu verlieren“) ihrem Betriebsrat Rückendeckung gegeben haben für weitere Verhandlungen über die Einrichtung der Transfergesellschaft – notfalls auch vor einer Einigungsstelle, wird erzählt.
Drittens: Es gibt inzwischen ein neues „Rundschau retten“-Extrablatt der gefeuerten Journalistinnen und Journalisten, das demnächst im Verbreitungsgebiet der WR verteilt werden soll.

In der (vom DJV NRW finanzierten) vierseitigen Protestzeitung werden u.a. gehaltene und ungehaltene Reden bei der zweiten Demo in Dortmund dokumentiert. Wie zum Beispiel hier oder hier oder auf der Aktionsseite Rundschau-retten. Außerdem finden sich dort zahllose Protest- und Solidaritätsbekundungen.

WR-Betriebsrat Uwe Tonscheidt
ist sauer: "Immer wenn Du
denkst, schlimmer geht's nimmer,
beweist Dir Dein Sozialpartner
das Gegenteil".
 Im Beitrag "Kahlschlag geht weiter" wird spekuliert, wo die WAZ-Axt als nächstes zuschlägt, womöglich im Vest Recklinghausen (WAZ, hier liegt das Medienhaus Bauer mit seinen Lokalzeitungen uneinholbar vorn) oder in den Branding-Redaktionen der NRZ im westliche Ruhrgebiet. (Branding heißt: Die Inhalte des kleineren NRZ-Lokalteils stammen weitgehend von der größeren WAZ-Ausgabe, werden aber durch eigene Beiträge einer verbliebenen Mini-NRZ-Redaktion angereichert, um vor den Abonnenten das Gesicht zu wahren.) Die Honorar-Etats dort sollen bereits "um bis zu 50%" zusammengestrichen worden sein.

Der Knackpunkt in Sachen Transfergesellschaft ist laut "Extrablatt", dass die WAZ-Mediengruppe für sowas über den bestehenden Sozialplan (Abfindungen) hinaus keinen Cent bezahlen möchte. Der Betriebsrat fordert dagegen zusätzliche Mittel über ergänzende Vereinbarungen, wie sie der Sozialplan bei neuen Sachverhalten vorsieht. Eine Einigungsstelle könnte diese Auffassung bestätigen.

Übrigens: Inzwischen habe ich gehört, dass der Betriebsrat die Einrichtung der Einigungsstelle beschlossen hat. Eine offizielle Bestätigung habe ich allerdings nicht.

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